Ein Jahr für vielfältige Naturräume
Schön und kalt ins neue Jahr am Neuenburgersee
Ein Waldbaumläufer begrüsste im Parque des Cygnes die über 50 Teilnehmenden der Winterexkursion vom 11. Januar in Yverdon-les-Bains. Eisvögel, Spiessenten im Flug, eine Wasserralle und viele Wasservögel mehr erfreuten uns zum Jahresstart. Der Neuenburgersee brandete in der starken Bise. Zwei Kinder stellten sich als unermüdliche Fotografen mit ihren Teleobjektiven geschickt in den Gegenwind. Dank der ganztags strahlenden Sonne, einigen windgeschützten Stellen – hier mit Zilp-Zalp, Misteldrosseln an den vielen Misteln und dem Rotkehlchen, dem Vogel des Jahres, und Aufwärmpausen mit Tee und Kaffee – war die Kälte schnell vergessen. Für die gelungene Exkursion danken wir den Leitern Konrad Zeltner, Daniel Peier und Lukas Arn.
Schwungvoll gestartet: Exkursionsleitungskurs 2025/26, und ein Kleinsäugerkurs
Kombiniert mit dem Weiterbildungskurs FOK-2 haben Konrad Zeltner und Marco Probst den Lehrgang mit Theorieabenden, Exkursionen und Übungsanlässen konzipiert und auf die Beine gestellt. Unsere versierten Referenten und erfahrenen Exkursionsleiterinnen und -leiter begleiten die 20-köpfige Gruppe. Kenntnisse zu den verschiedenen Lebensräumen sowie ein Grundwissen Botanik und Libellen/Tagfalter ist mit der profunden ornithologischen Ausbildung Teil des Programms. Nach der Exkursionsleitungsprüfung im Mai 2026 werden wir neun jungen Exkursionsleiterinnen und Exkursionsleitern zu ihrem Engagement und Erfolg gratulieren dürfen. Wir freuen uns auf euch!
Dass unser Blick mehr als zum Himmel geht, das zweigt nicht nur die Exkursionsleitungsausbildung. Über Mäuse, Spitzmäuse und Schläfer lernten wir im August viel am spannenden Abendkurs, der uns Thomas Briner am Naturmuseum Solothurn geboten und alle begeistert hat.
Frühlingsexkursion in der wiederbelebten Belser Kiesgrube Erlinsbach SO
Über 80 Naturinteressierte erkundeten in kleinen Gruppen das zukünftige Naturschutzgebiet Birch-Brunnacker in der renaturierten Belsergrube West. Die drei Natur- und Vogelschutzvereine Erlinsbach (Aargau), VTN Erlinsbach (Solothurn) und Lostorf-Stüsslingen luden ein, das Renaturierungsprojekt vor Abschluss der Etappe 2 «im Rohbau» zu besichtigen. In diesem Stadium sind die Strukturen und Ziele der Renaturierung besonders gut zu sehen. Einige Gruppen waren auch an der Aare auf ornithologischer Entdeckungstour, und ein Familientrüpplein war mit Begeisterung am Bachlauf unterwegs. Esther Schweizer, Umweltingenieurin und Co-Präsidentin des Naturschutzvereins Erlinsbach NVE plante und begleitet die ökologischen Aufwertungen. Drei dynamische Wasserbecken werden mit der Etappe 3 zusätzlichen Lebensraum bieten: für sieben Amphibienarten, wovon einige in der Umgebung bereits anwesend sind. Das Gebiet Birch-Brunnacker ist seit 2024 als Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung anerkannt. Sehr geschätzt und genossen wurde das Mittagessen. Es wurde äusserst grosszügig offeriert vom Natur- und Vogelschutzverein Lostorf-Stüsslingen. Vielen Dank.
Unsere Jugend entdeckt und lernt in der Natur
Rund 80 Kinder und Jugendliche waren wie jedes Jahr mit Feldstechern und offenen Ohren am 5. April zusammen mit ihren Betreuerpersonen auf Vogelpirsch: Am 9. Jugend-Birdrace Solothurn (JUBIRASO) schwärmten sie in 19 Teams aus in die vielfältigen Lebensräume der Grenchner Witi Altreu. Über 60 verschiedene Vogelarten wurden entdeckt, bestaunt und gezählt. Welche dieser jungen Natur- und Vogelbegeisterten werden wohl einmal selbst eine Exkursion leiten? Jeweils eine kleinere Gruppe nahm am Jugendausflug an die Vogelwarte Sempach teil (14. Juni) und am nationalen Jugendplauschtag von BirdLife Schweiz in La Sauge (13. September). Daniel Schär, der unsere Jugendarbeit leitet und Kinder zu begeistern vermag, sowie allen Eltern und Begleitpersonen gilt ein grosses Dankeschön. Auch dieses Jahr fanden Kurse an der „Wyss GartenAkademie“ in Solothurn statt: „Der vogelfreundliche Garten“ mit Daniel Schär und der Generationenkurs „Nistkasten bauen“, durchgeführt von Daniel Schär und Daniel Peier.
Eine Sektion ging uns verloren
Nach dem Tod ihres Vereinspräsidenten ist die Sektion Dulliken aus unserem Kantonalverband ausgetreten. Der Verein ist stark überaltert und hat bisher erfolglos versucht, den Vorstand zu vervollständigen. Aktuell bilden die neue Präsidentin (die sämtliche Chargen bekleidet) und zwei Beisitzer den Vorstand.
Einige Höhepunkte und Festliches in unseren Sektionen: Herzliche Gratulation!
Der NVV Oensingen hat seit März 2025 eine Jugendorganisation. Bereits war sie am JUBIRASO, dem traditionellen Jugend-BirdRace in Altreu, mit 5 Gruppen dabei. Mit Jung und Alt und zusammen mit der Einwohnergemeinde realisiert der Verein Naturschutzaktionen im Siedlungsraum und im Forst, kommuniziert ideenreich, professionell und motivierend.
Im August feierte der NV Dornach sein 80-jähriges Bestehen. Die zahlreichen Jubiläumsanlässe stiessen auf grosses Interesse und brachten dem Naturschutzverein bis Ende des Jubiläumsjahrs 50 neue Mitglieder ein. Einer der Höhepunkte war das Pflanzen von 80 Hitze- und Trockenheits-resistenten Waldbäumen.
Seine 50 Jahre feierte der Natur- und Vogelschutzverein Halten ebenfalls im August. Die Geburtstagsgäste vor allem aus dem Wasseramt erfuhren an Wettbewerbsständen viel über das Vereinsleben, tauchten im historischen Haltener Turm in vergangen Zeiten ein und wurden grosszügig bewirtet. Die interessante Jubiläumszeitschrift ist auf der Website einsehbar.
Auch im Wasseramt wurde gefeiert. Im Dezember lud der NVV Deitingen zum 50-Jahr-Jubiläum des Naturschutzreservats Mürgelibrunnen: Ein Bijou mit Erlenwald, vernässten Wiesen, Weiher, Röhricht, Ried- und Moorwiesen, das der Verein seit fünf Jahrzehnten betreut und unter grossem Einsatz pflegt. Fünf Vorstandsmitglieder brachten uns das Werden, Wachsen und Wandeln in diesem vielfältigen Gebiet näher, das je zur Hälfte auf Solothurner und Berner Boden liegt. Als grösstes Geschenk erfuhren wir am Ende des kleinen Festes, dass der Mürgelibrunnen dieses Jahr ins Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung aufgenommen wurde. Die herausragende Beobachtungsgabe der langjährigen Reservatsbetreuer ermöglichte eine umsichtige und sachgerechte Pflege und damit die Hochstufung des Schutzstatus.
Politischer Einsatz für die Natur / Aus dem Vorstand
Höhepunkt der politischen Lobbyarbeit war sicherlich die erfolgreiche Volksabstimmung zum Hochwasserprojekt Dünnern. Dank des bewilligten Kredits kann die Dünnern zwischen Oensingen und Olten nicht nur hochwassersicher, sondern auch naturnaher gestaltet werden. Gewässerräume werden oft unsorgfältig behandelt. Eine Einsprache in Kleinlützel erreichte den Rückbau eines rechtswidrig errichteten Sitzplatzes im Gewässerraum.
Nach der erfolgreichen Intervention für eine Mehlschwalbenkolonie in Egerkingen im Jahr 2024, haben wir uns auch 2025 wieder erfolgreich für eine Kolonie eingesetzt. In Oensingen konnte durch eine Einsprache der Ersatz einer Mehlschwalbenkolonie durch einen Schwalbenturm erwirkt werden. Der Turm wurde wenige Wochen nach dem Bau bereits erfolgreich besiedelt. Keine Mehlschwalben, aber Dohlen brüten im Ildefonsturm in Olten. Im Turminnern soll eine Mobilfunkantenne gebaut werden. Obwohl die thermischen Effekte in unmittelbarer Nähe von Antennen mittlerweile wissenschaftlich als Problem für Vögel bestätigt sind, existieren für Tiere aber noch keine Grenzwerte. Dies im Gegensatz zu den Regelungen für Menschen. Unsere Einsprache in Olten blieb deshalb ohne Erfolg. In Mümliswil nutzt ein Unternehmen ein Waldstück rechtswidrig als Abstellplatz. Nun soll die Fläche nachträglich als Gewerbezone eingezont werden. Unsere Einsprache gegen diese Einzonung ist aktuell noch hängig. Auch im vergangenen Jahr haben wir uns zudem im Rahmen von Begleitgruppen und Stellungnahmen für Naturwerte eingesetzt. (Thomas Lüthi)
Ausblick
Gekürzt. Mit dem Sparmassnahmenplan 2024 hat der Regierungsrat auch die Unterstützung für BirdLife Solothurn gekürzt, von 2026 bis 2028 um CHF 14‘000 jährlich (40% des bisherigen Staatsbeitrags). Die neue Leistungsvereinbarung umfasst subsidiäre Entschädigungen von CHF 23‘000 für unsere Leistungen in den Bereichen Aus- und Weiterbildung (CHF 6‘000), Statistik/Aktivitäten Sektionen (CHF 4‘000) sowie Lebensraumaufwertung/Artenförderung (CHF 13‘000).
Geplant. Wir versuchen, die Finanzlücke im Wesentlichen durch Drittmittel von Vergabestiftungen zu schliessen. Erste Erfolge liegen vor.
Gesetzt. Der Vorstand hat für die kommenden vier Jahre die Arbeitsschwerpunkte im Kantonalverband gesetzt: 1) Öffentlichkeitsarbeit erweitern und Kommunikation stärken, insbesondere zu unseren Sektionen; 2) Personelle und finanzielle Ressourcen sichern; 3) Umweltbildung fördern: mit Naturkursen, Exkursionen, und den Ausbildungsmodulen Grundkurs / Feldornithologiekurs-1 / Exkursionsleitungskurs mit FOK-2. An der Öffentlichkeitsarbeit und der Ausbildung setzt alles weitere an: Mitgliederwerbung, Stärkung der Sektionen, Jugendarbeit, Naturförderung im und ausserhalb des Siedlungsraums, die Artenförderungs¬programme sowie die Weiterentwicklung der Beobachtungs- und Beringungsstation Subigerberg.
Gemausert. Unser Mitteilungsblatt „EISVOGEL“ erhält 2026 ein neues Gefieder: Aktuelle Themen und Anlässe werden zweimal jährlich mit der EISVOGEL-Postkarte angekündigt. Die Inhalte stehen online auf unserer Website zur Verfügung. Der EISVOGEL Nr. 54 ist wohl der letzte seiner Art.
Dank
Allen engagierten Mitarbeitenden im Kantonalverband und in den Sektionen, unseren zahlreichen Helferinnen und Unterstützern, den mitdenkenden Köpfen und helfenden Händen gilt ein grosses Dankeschön: Für euer wichtiges Engagement beim Planen, Organisieren und Umsetzen unserer Aktivitäten, sei es in der Ausbildung, auf Exkursionen, beim Pflegen von Schutzgebieten und Schaffen neuer, vielfältiger Naturräume. Danke für euer Interesse, für euer gutes Beobachten in der Natur, und ganz besonders für das so wichtige Vermitteln und Weitergeben unseres Wissens und unserer Faszination für einheimische Vögel und ihre natürlichen Lebensräume.
Richard Bolli, Präsident VVS/BirdLife Solothurn
Ein bebilderter Jahresrückblick wird an der Delegiertenversammlung 2026 gezeigt.
Freitag, 13. März in Büsserach.
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